• Interviews

Nach einigen Monaten der Stille kommt nun Mitte Juni das nächste J-Interview online.
Im Februar sprach ich mit einer Frau, die sich über einen etwas ungewöhnlichen Weg an Joomla herangetastet hat. Sie ist sehr hilfsbereit und unterstützt mit ihren Projekten und Aufgaben Joomla! und die J!-Community sehr stark!
Die weltweite Pandemie kam der Veröffentlichung im März dazwischen. Nun haben wir das Interview nochmal mit aktuellen Infos aufgefrischt und können euch es hier präsentieren. Ich wünsche Euch beim Lesen des Interviews mit Viviana Menzel viel Spaß.

Viviana, stell dich doch bitte kurz einmal vor?
Hi, mein Name ist Viviana Menzel, ich bin verheiratet und Mutter von 3 Kindern. Ich habe Biologie studiert und als Wissenschaftlerin gearbeitet bis die Kinder kamen, dann habe ich Joomla! entdeckt und mich selbstständig gemacht.

Ich weiß, dass du früher noch mit „Dreamweaver“ Webseiten erstellt hast, wie bist du das erste Mal auf Joomla! aufmerksam geworden?
Ein Freund von uns wollte von einem seltsamen und teuren CMS wegkommen und seine Website neu machen. Mein Mann hat recherchiert und ich habe alles Mögliche getestet. Ich fand Joomla! am Besten 😊. Das war 2006, kurz nachdem Joomla! als Fork von Mambo entstand.

 

Wie und wo setzt du Joomla! ein?
Alle Seiten, die ich für Kunden erstelle, basieren auf Joomla!. Selten mache ich eine statische Seite. Ich habe mit Joomla! schon viele Seiten für Vereine, Handwerker, Heilpraktiker und größere Organisationen erstellt.
Meistens übernehme ich auch die Inhaltspflege und natürlich die Wartung der Seiten.

 

Du kommst ja nicht von Klein auf aus der Computerbranche. Was ist dein eigentliches Fachgebiet?
Ich habe in Argentinien Biologie studiert und in Gießen im Bereich Reproduktionsbiologie promoviert.

 

Als Biologin das Aufgabengebiet „Erstellung und Pflege von Websites“ zu betreuen, ist nicht alltäglich. Kann ich mir das so vorstellen: „Wir brauchen ein Website, Viviana könntest du nicht mal...!?“ Was für Projekte hast du da umgesetzt?
Ich war schon immer „computeraffin“. Damals in Argentinien habe ich schon für alle im Labor PowerPoint-Präsentationen und Ähnliches gemacht. Hier in Deutschland wurde es nicht anders, mein Chef hat mich immer angerufen, wenn er Probleme mit dem Computer hatte. Eine Anekdote dazu: Er rief einmal an, weil das „Speichern unter“ im Word verschwunden war. Er hatte eine spezielle Tastenkombination genutzt und schon war das weg. Ich musste eine ganze Weile recherchieren bis ich herausfand, wie man das „Speichern unter“ wieder sichtbar macht.
Irgendwann wollten meine Chefs ein Graduiertenkolleg an den Unis Gießen und Marburg ins Leben rufen. Dafür wollten sie eine Website haben. Damals wurde vom Rechenzentrum ein Dreamweaver-Kurs angeboten und ich wurde hingeschickt, um zu lernen.
Ich habe dann die Website des Labors und des Graduiertenkollegs erstellt und ein paar Jahre später selbst einen Workshop für die Doktoranden gegeben.

 

Zurück zu Joomla!. Was ist das besondere an Joomla! für Dich?
Für mich war Joomla! immer sehr intuitiv, ich habe schnell gelernt, wie-wo-was zu tun ist. Joomla! ist flexibel und erweiterbar. Man kann viel nur mit Joomla!Core machen. Seit ich Overrides verstanden habe, ist nichts unmöglich und die Custom Fields haben zur Flexibilität wahnsinnig viel beigetragen.

 

Ich denke deine Arbeit hat auch schon dem ein oder anderen Joomla!-Freund einmal geholfen. Als ich neulich für meine Arbeit an einer Website Anpassungen des Templates vorgenommen habe, habe ich mich eines „Overrides“ bedient. Kannst du kurz sagen was das ist und welches Projekt bzw. Motivation hinter „J!OVER“ steckt ?
Ich bin relativ spät zur Joomla!-Community gekommen. Irgendwie war mir nicht bewusst, wer hinter Joomla! steckt. Ich weiß nicht mehr wie das war, aber irgendwann habe ich von der JUG Frankfurt gehört und bin ein paar Mal hingegangen. Und Dank des Newsletters der JUG habe ich von der J and Beyond Konferenz 2014 in Königstein erfahren. Es war eine super Erfahrung!
Und dann war ich immer beim deutschen JoomlaDay dabei. In Köln habe ich den Vortrag von David Jardin über Overrides gehört und mein Gehirn ist explodiert! 2015 fragte Toni Gerns in Facebook, ob es eine Sammlung von Overrides gäbe. Wir haben uns zusammen getan und das Projekt J!over gestartet. Gleich bei der J and Beyond 2015 in Prag haben wir den J.O.S.C.A.R als „Innovation oft the Year“ gewonnen.
Bei J!over stellen wir Joomla! Overrides zur Verfügung. Viele haben wir selbst erstellt, für unsere eigene Projekte oder auf Anfragen von Joomla!-Nutzern. Andere bekommen wir zugeschickt, wir prüfen sie und stellen sie online. So ist eine schöne, hoffentlich hilfreiche, Sammlung von Overrides entstanden.

LINK zum Projekt: www.j-over.de
(Anmerkung Redaktion: Templates Overrides überschreiben die Ausgaben von Komponenten und Modulen)

 

Bist Du aktuell in einer JUG oder in einer ähnlichen Joomla!-Gruppe organisiert?
Ich war einige Male bei der JUG Frankfurt dabei, aber der Weg ist mir ehrlich gesagt zu lang und oft passen die Termine nicht (kollidierende Elternabende oder so). Letztes Jahr wurde die JUG Online gegründet, da habe ich schon mal teilgenommen und auch einen Vortrag gehalten.

 

Welche Joomla!-Veranstaltungen oder Communitytreffen hast du genau schon besucht?
Seit 2014 habe ich alle JoomlaDays in Deutschland, drei J and Beyond Konferenzen (Königstein, Prag und Köln) und zwei JoomlaDays in Österreich (Wien und Salzburg) besucht.

 

JoomlaDay, gutes Stichwort. Seit ein paar Jahren wird da der Community Award J!Otto verliehen. Ich weiß das auch deine Projekte da schon einen Preis abgeräumt haben. Wofür war das?
2019 hat die bereits angesprochene Seite von J!over auch den J!Otto in der Kategorie „Nur Joomla!“ gewonnen. Wir sind sehr stolz darauf. Die Seite ist ein gutes Beispiel, was man mit Joomla! alleine so machen kann.

 

Inzwischen bist du ja auch in die Organisation dieses Preises mit eingestiegen. Ich gehe mal davon aus, dass es auch 2020  wieder eine Wahl gibt? Wie kann man da mitmachen?
Ja, nachdem ich letztes Jahr die Organisation des JoomlaDay übernommen habe, wurden einige Veränderungen für die Vergabe des J!Otto eingeführt. Zum einen wurden die Kategorien neu definiert und es wird erwartet, dass die Gewinner beim JoomlaDay anwesend sind, um den Preis entgegen zu nehmen. Für den JoomlaDay 2020 hat sich ein J!Otto-Team formiert, das eine eigene Webseite für den Preis erstellt, wo die Einreichungen gemacht werden können und die Gewinner präsentiert werden. Außerdem arbeiten wir an einer Komponente, die die Auswertung der Websites für die Jury ermöglichen soll (bis jetzt wurde mit Excel-Tabellen gearbeitet).
Wir haben die neue J!Otto-Website nun online gestellt und den Aufruf für Nominierungen gestartet. Wir hoffen auf viele Einreichungen!

Link: www.jotto-deutschland.de

 

Du hast gesagt das Du eine der Organisatoren des jährlichen Deutschen JoomlaDay bist. Er findet in diesem Jahr im September leider nur ONLINE statt. Wie viele seid ihr? Wie ist der Stand bei den Vorbereitungen für das Event? Wo kann man Euch vielleicht noch helfen/untzerstützen?
Das Orga-Team besteht aus mir, Nadja Lamisch und Christian Schmidt, der sich um die Sponsoren kümmert. Wir holen uns im Bereich Marketing und Grafik zusätzlich Hilfe von Holger Kremers und anderen. Wir haben dieses Jahr ein Projekt Management Tool im Einsatz und haben schon die meisten Aufgaben aufgeschrieben, zugeteilt und terminiert. Außerdem dokumentieren wir alles, damit die Arbeit leichter fällt und falls jemand dazu kommt, alle Informationen schnell findet. Die Location in Bad Hersfeld war für dieses Jahr gebucht bis uns "Corona" einen Strich durch die Rechnung machte.

Leider kamen uns die Beschränkungen in die Quere und wir müssen umplanen. Wir behalten die Location in Bad Hersfeld für 2021 und dieses Jahr machen wir ein Online-JoomlaDay. Wir planen einen Livestream für den 26. September. Der Call for Papers ist geöffnet.
Ihr könnt uns aktiv unterstützen mit dem Einreichen von Vorträgen und Themenwünsche, damit wir ein tolles Programm für alle zusammen stellen können.

Link: Infos unter www.joomladay.de

 

Der J!Otto 2020 wird vergeben sein, da ist Joomla! 4 wahrscheinlich noch nicht veröffentlicht. Trotzdem, was erwartest du von Joomla! 4 bzw. arbeitest du sogar irgendwo mit?
Auch wenn es noch nicht für den produktiven Einsatz empfohlen wird, haben wir es als Experiment gewagt und die J!Otto-Website mit Joomla! 4 erstellt.
Wie bei jeder Veränderung braucht man einen Moment, bis man mit Joomla! 4 klarkommt. Die Struktur ist anders, aber in vielen Punkten logischer aufgebaut.
Verbesserungen im Media Manager, Workflow und die Unabhängigkeit von Frameworks ist was mich an Joomla! 4 am meisten begeistert.

 

Hast Du außer mit Joomla! auch mit anderen CMS Erfahrungen gesammelt?
Es wird immer diskutiert, ob Wordpress ein CMS ist oder nicht, aber ich habe eine zeitlang meinen Blog mit Wordpress betrieben. Als reines Blog-System ist es schon übersichtlicher und einfacher zu bedienen als Joomla!, aber die ganzen Plugins und vor allem das Template-System haben mir überhaupt nicht gefallen.
Typo3 habe ich auch mal versucht und bin gescheitert 😉.
Ansonsten arbeite ich mit OpenCMS für die Website unserer Kirchengemeinde (wird von Bistum Mainz zur Verfügung gestellt).

 

Was machst du abgesehen vom Beruf und Joomla! in deinem „anderen Leben“?
Mir bleibt nicht viel Zeit für Hobbys, aber ich lese, bastle und nähe sehr gerne.

 

Vielen Dank für das Interview!
Sehr gerne - vielen Dank

 

Möchtest du uns auch deine "Joomla!Geschichte" erzählen? Dann schreib mir doch eine E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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